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Wieso dich deine Sorgen und Ängste momentan (noch) im Griff haben und was du dagegen tun kannst

Wieso und wie genau deine (schwangerschaftsspezifischen) Sorgen und Ängste deine Stressreaktion auslösen und was du dagegen tun kannst.

In diesem Beitrag erfährst du, wieso das dahinter liegende Verständnis so wichtig ist, um in Zukunft anders auf deine Sorgen und Ängste reagieren zu können und ich teile ein Bild mit dir, was dich hoffentlich ab jetzt immer wieder begleitet und schneller aus der Stressspirale holt.

Ich wünsche dir ganz viel Freude beim Lesen und Umsetzen. 

Bevor es los geht

Bevor es mit dem heutigen Beitrag los geht, würde ich gerne mal wieder einen stressigen Moment aus meinem Leben mit dir teilen. Nicht, weil ich mich hier auskotzen möchte, sondern damit du siehst, wie dir eine gute Stresskompetenz auch als Mama hilft.

Und zwar hatte meine Tochter Lilly ihren ersten öffentlichen Wutanfall beim Einkaufen. Eine Situation, die mir doch ziemlich unangenehm war und wie du ja mittlerweile weißt: jedes unschöne Gefühl, was wir eigentlich nicht haben wollen, ist potenziell stressig.

Wenn das Kind nicht bekommt, was es gerne hätte

Das Gute bei mir ist, dass ich durch mein tägliches Reflektieren und meine ständige Arbeit an meinem eigenen Mindset – ja du hast richtig gelesen, diese Arbeit hört nie auf 😉 – mittlerweile relativ schnell verstehe, wenn ich akut gestresst bin und dann auch aktiv dafür sorgen kann, dass der Stress sofort wieder nachlässt. Und der Wutanfall von Lilly war genau so eine Situation.

Lilly hat also im Supermarkt nicht das bekommen, was sie gerne haben wollte und hat lauthals protestiert und sich schreiend und strampeln auf den Boden geworfen. Das war natürlich nicht das erste mal, dass sie das gemacht hat. Zuhause macht sie das öfters, aber da stört es mich nicht. Und da stört es mich nicht, weil niemand anderes dabei ist, vor dem es mir unangenehm sein könnte.

Und das ist ja eigentlich schon eine interessante Erkenntnis. Weil es eben nicht der Wutanfall an sich ist, der mich stresst, sondern es die andern Menschen sind, die es mitbekommen. Und auch hier kann ich noch weiter gehen, denn es sind auch nicht wirklich die andern Menschen, die mich stressen. Sondern das ich mich in dem Moment des Wutanfalls frage, was diese anderen Menschen jetzt von ihr und mir denken. Vllt halten sie Lilly für ein nerviges Kind. Ich meine wie unangenehm laut ist sie bitte? Oder sie denken darüber nach was für eine schlechte Mutter ich bin, wenn ich mein eigenes Kind nicht beruhigen kann. Oder oder oder. Du merkst: es sind viel mehr meine eigenen Gedanken, die mich stressen, als die andern Menschen. Denn woher soll ich denn überhaupt wissen, ob sie überhaupt über uns nachdenken? Weil vllt tuen sie das gar nicht.

Falsche Gründe und ihre Konsequenz

Wenn ich aber weiterhin darüber nachgedacht hätte, was jetzt alle andern Menschen – die ich nicht mal kenne und deren Meinung mir eigentlich total egal sein könnte – über uns denken, hätte ich vermutlich mit allen Mitteln versucht, Lilly dazu zu bringen, wieder ruhig zu sein. Allerdings nicht aus dem Grund, damit es ihr wieder besser geht, sondern damit alle andern nicht mehr schlecht über uns denken. Ich wäre vermutlich hektisch und weiterhin gestresst geblieben, wodurch Lilly natürlich auch nicht unbedingt schneller runtergekommen wäre.

Zum Glück war mir relativ schnell bewusst, dass ich gerade gestresst bin und vor allem auch warum ich wirklich gestresst war. Das erste was ich dann immer mache ist, mich kurz auf meinen Atem zu fokussieren und mindestens drei bis fünfmal tief und bewusst einzuatmen. Ob du es glaubst oder nicht, die Welt sieht danach schon etwas anders aus. Und da mein Stress ja durch meine Interpretation entsteht – nämlich was die Leute gerade über uns denken, wiederhole ich bewusst beim Atmen einen Satz, der mich runter bringt. In dieser Situation war es zb der Satz “Jeder denkt über sich und nicht über mich nach”.

Und wenn ich an den Satz denke, habe ich keine Möglichkeit mehr darüber zu katastrophisieren, was alle Leute schlechtes über mich denken könnten. Und mein Stresslevel sinkt weiter und ich habe endlich die Möglichkeit, mich wirklich um meine Tochter zu kümmern. Die kleine Maus liegt ja nicht auf dem Boden und tritt um sich, weil sie da so große Freude daran hat, sondern weil sie alleine ihre Emotionen einfach noch nicht regulieren kann und sie mich dafür einfach noch braucht.

Und in den Moment braucht sie ganz sicher keine gestresste Mama, sondern eine, die in Ruhe auf sie eingeht. Als mir also die Meinung der anderen egal, oder egaler geworden ist, hab ich mich zu ihr gekniet, sie in angeguckt und erstmal ein paar Sekunden nichts gesagt, bevor ich ihre Emotionen dann in Worte gefasst habe, in dem ich dann sowas gesagt habe wie “Du bist gerade enttäuscht, weil du keinen eigenen Einkaufswagen schieben darfst oder? Dann verstehe ich und ich wäre auch sauer”. Und auch wenn sie sich dann nicht genau in dem Moment wieder beruhigt hat, hat es nicht lange gedauert, bis sie selbst wieder entspannt war. Und wäre ich weiterhin gestresst geblieben, wäre die Situation mit großer Wahrscheinlichkeit länger für uns beide unangenehm gewesen.

Geh den anstrengenden Weg, denn er lohnt sich immer

Es lohnt sich also sehr, den anstrengenden Weg zu einer guten Stresskompetenz oder Resilienz zu gehen und ich hoffe sehr, dass dich der Kugelzeit Coaching Podcast, meine Coachings oder der Online Kurs “die schönste Wartezeit” und die ganzen Methoden, die du an die Hand bekommst, inspirieren, etwas an deinem Mindset zu ändern, damit du eine glückliche und gelassene Schwangerschaft hast und eine entspannte Mama wirst.

Was eigentlich bei dir genau passiert, wenn du gestresst bist oder dir Sorgen machst

Und um dem eigenen Stress und den Sorgen und Ängsten auf die Schliche zu kommen, lohnt es sich in meinen Augen sehr, wenn man ein Verständnis dafür hat, was eigentlich genau in einem passiert, wenn man gestresst ist oder sich eben Sorgen macht. Und der Blick ins Gehirn ist dabei unglaublich aufschlussreich. Wenn wir nämlich einmal verstanden haben, dass unser Gehirn nicht dazu da ist uns glücklich zu machen, sondern seine primäre Aufgabe ist, unser Überleben zu sichern, ergeben ganz viele Dinge, die wir unter Stress erleben oder tun plötzlich sehr großen Sinn.

Fehlendes Update ins 21. Jahrhundert

Das einzige Problem ist heutzutage nur leider, dass unsere Gehirne immer noch in der Steinzeit feststecken. Damals waren Gehirne, die sensibler auf Gefahren reagiert haben, also schneller Sorgen produziert haben, sehr vorteilhaft, weil die Chance gestiegen ist, zu überleben. 

Und der wichtige Punkt dabei ist, zu verstehen, dass auch heute noch die gleichen Grundfunktionen im Gehirn bestehen und es immer noch genauso arbeitet wie vor Jahrtausenden. Und das obwohl sich unsere Umwelt radikal verändert hat und wir dieses hauseigene bzw. körpereigene und sehr ausgeklügelte Alarmsystem nicht mehr so stark brauchen. 

Ja, es war unglaublich nützlich, wenn man Tigern, Steinschlägen oder anderen potenziell tödlichen Gefahren aus dem Weg gehen wollte. Aber heutzutage leben wir – Gott sei dank – in einer Welt, die nicht mehr so stark von Säbelzahntigern bedroht ist. Und trotzdem tut unser Gehirn immer noch so als könnte hinter jeder Hauswand einer auf uns warten. 

Potenzielle Gefahren

Dh unser Gehirn achtet immer noch am Laufenden Band auf Dinge, die uns potenziell schaden können. Egal, ob es eine Fehlgeburt, finanzielle Probleme, die neue Mamarolle im allgemeinen oder sonst irgendetwas ist. Und egal wie hypothetisch oder unwahrscheinlich die Sorgen sind, die wir uns machen, unser Gehirn versucht automatisch Wege zu finden, diese Möglichkeiten zu umgehen. Und auch das ist ein großer Unterschied zur Steinzeit: Heutzutage verbringen wir alle viel mehr Zeit in unseren Köpfen als unsere Vorfahren das getan haben. Während unsere Vorfahren sich auf physische Dinge konzentriert haben, also eben genau der Säbelzahntiger oder der fremde näherkommende Stamm, verbringen wir im 21 Jahrhundert die meiste Zeit in unseren Köpfen. Wir verarbeiten viel mehr Informationen, die wir durch Podcasts, Bücher, Filme, Nachrichten usw bekommen, als unsere tatsächliche “echte” Umgebung.

Deine Gedanken spiegeln nicht immer die Realität wider

Dh wir haben uns schon sooo sehr daran gewöhnt mit unseren Gedanken zu arbeiten, dass wir sie oft als die Realität wahrnehmen. Dh wir verwechseln unsere Gedanken, und damit oft eben unsere Sorgen und Ängste mit der äußeren Welt. Nur weil ich Angst davor habe, dass der Zuckertest vielleicht zeigt, dass ich Schwangerschaftsdiabetes habe, heißt es noch lange nicht, dass dieser Fall auch eintritt. Aber mein Gehirn behandelt diesen Gedanken wie einen Fakt. Woraufhin mein Körper Stressreaktionen wie Herzrasen, Unwohlsein, Kloß im Hals zeigt. Auch mein Verhalten wird sich daraufhin ändern und ich werde gereizter sein, zickiger mit meinem Mann sprechen und mich nervös fühlen. Und was genau da in unserem Gehirn abgeht und wieso wir genauso reagieren thematisieren wir heute. 

Es gibt keinen Ausschalter für deine Sorgen

Ich finde es ist einfach ein so wichtiges Thema zu verstehen, was genau in einem Vorgeht, weil es ja keinen Ausschalter fürs Gehirn gibt, Es arbeitet einfach die ganze Zeit, ununterbrochen, ob wir das wollen oder nicht. Letztendlich ist es wie mit allen anderen lebenswichtigen Vorgängen auch – Atmung, Herzschlag etc – sie sind für unser Überleben wichtig, also laufen sie ohne unsere bewusste Kontrolle ab. Und das ist auch gut so. Normalerweise eben. Wenn man sich zu viele Sorgen und Ängste macht, kann es allerdings anstrengend werden und dann lohnt es sich noch mehr, zu verstehen, was da eigentlich genau in uns vorgeht, um dann eben auch bewusst eingreifen zu können.

Und ich verspreche dir, es wird alles andere als langweilig, weil ich das tolle und so passende Bild von Dr. Karella Easwaran verwenden werde. Sie ist Kinderärztin und Autorin für die Zeitschrift Eltern und sie hat eben auch ein ganz tolles Buch mit dem Titel “Das Geheimnis ausgeglichener Mütter” geschrieben, wo sie das gleich kommende Bild beschreibt.

Das Gehirn und seine Komplexität

Ich weiß noch, dass ich im Psychologiestudium oft dachte, “oh man, das Gehirn ist so komplex, wie soll ich mir das alles merken”! Und dank Bulimielernen ist nach den Klausuren auch nicht viel im Kopf geblieben. So lange bis ich mich ernsthaft und von alleine für das Thema interessiert habe. Und dann bin ich zufällig auch noch auf das eben genannte und unglaublich tolle Buch gestoßen und dachte mir direkt beim Lesen: Dieses Bild MUSS mit in den Blog! 

Denn jeder wird von dem Wissen über das eigene Gehirn profitieren! Und damit du dir die Funktionen und Bereiche im Gehirn, die bei Sorgen und Ängsten aktiv sind und die ganzen Fremdwörter wie zb. Amygdala, Hippocampus und präfrontaler Kortex, leichter merken kannst, ist das Bild, was ich dir gleich erklären werde, so hilfreich! Ein großes Dankeschön geht an Frau Dr. Easwaran.

Viel wichtiger als die äußeren Umstände sind deine Bewertungen

Wenn du den Kugelzeit Coaching Blog hier schon länger liest oder den Kugelzeit Coaching Podcast schon länger hörst und mir vllt auch bei Instagram folgst, dann weißt du mittlerweile, dass es eigentlich gar nicht so sehr darauf ankommt, was dir in deiner Schwangerschaft oder auch im Leben allgemein passiert. Also egal ob du in einer Pandemie Schwanger bist, in einem Job arbeitest, der eine gute Work-Life-Balance nicht zulässt, ob dich dein Partner oder deine Partnerin verlassen hat, du ständig von schrecklichen Geschichten rund um Schwangerschaft, Geburt und Mamasein umgeben bist, oder was es auch immer sein mag, was dich aktuell belastet: diese äußeren Reize machen nur ca. 10 % von deinem Stresserleben aus. Und die restlichen 90% entstehen durch die Art und Weise wie du über genau die gerade aufgezählten Dinge denkst. Also wie du sie für dich bewertest oder aber wie dein Gehirn automatisch und ungefragt diese Informationen interpretiert.

Ein Blick nach Innen

Und weil dein und mein Gehirn genau das eben ununterbrochen tut, ohne dass es uns die meiste Zeit bewusst ist, lohnt ein Blick nach innen. Und dafür wiederum lohnt ein Verständnis, wenn auch ein oberflächliches, aber das reicht, über das eigene Gehirn und was da genau vor sich geht.

Denn es ist einfach so: dass was wir nicht wahrnehmen, können wir nicht ändern. Und ganz oft fehlen einfach wichtige Informationen, um bestimmte Dinge, wie unsere Gedanken, in einem ersten Schritt  überhaupt erst wahrnehmen zu können! 

Und von diesen Infos gibt es in meinen Coachings eine Menge. Immer mit dem Ziel, die eigenen automatisch eintreten Gedanken bewusster wahrzunehmen, die eigenen Muster zu erkennen und dann eben Wege zu finden, nicht wieder in das gleiche Muster zu tappen, sondern vorteilhafte neue Muster aufzubauen.

Und eine Info, von der du wie gesagt definitiv profitieren wirst, ist der Aufbau deines Gehirns. Ich weiß, dass klingt total dröge, aber mit dem schönen Bild von Dr. Easwaran ist es das eben überhaupt nicht und ich feier dieses Bild ungemein, wie du vermutlich jetzt schon merkst! 😉

Ok, aber wie sieht das Bild jetzt genau aus?

Letztendlich ist es so, dass unser Gehirn zwar extrem komplex ist, aber durch das spannende Feld der Neurowissenschaften ist mittlerweile bekannt, dass das Gehirn trotzdem nach relativ “einfachen” Regeln arbeitet. Und für ein grobes Verständnis reicht es erstmal zu wissen, dass das Gehirn in drei Bereiche geteilt ist: Den Hirnstamm, das Mittelhirn und das Großhirn. 

Und Frau Dr. Easwaran hat daraus das Bild eines Hauses entworfen, was du dir folgendermaßen vorstellen kannst:

Der Hirnstamm ist das Kellergeschoss.

Das Mittelhirn das Erdgeschoss und das Großhirn ist das Dachgeschoss.

Und in allen drei Geschossen wohnen verschiedene Bewohner.

Der Keller

Der Keller, der ja den Hirnstamm repräsentiert, ist der Teil im Gehirn, der am unteren Schädelrand liegt. Also da, wo das Gehirn ins Rückenmark der Wirbelsäule übergeht. Das spannende und gleichzeitig wichtige an diesem Bereich ist, dass er der älteres Teil unseres Gehirns ist. Weil er eben so alt ist, wird er oft als primitiver Teil bezeichnet oder aber als Reptiliengehirn. 

Und dieser Teil ist zum einen dafür verantwortlich, dass alle überlebenswichtigen Funktionen funktionieren, ohne dass wir bewusst Zugriff auf sie haben. Der Hirnstamm steuert zb unseren Herzschlag, unsere Atmung, unseren Blutdruck oder auch unsere Reflexe.

Zum anderen ist dieser Teil aber auch für unsere Stressreaktion verantwortlich. Also die sogenannte fight or flight Reaktion. Der Kampf oder Fluchtmodus. Und hier wird deutlich: der Hirnstamm ist dafür zuständig unser Überleben zu sichern. Und bei genau dieser Aufgabe übertreibt er mittlerweile leider und schießt oft übers Ziel hinaus.

Was in der Steinzeit definitiv überlebenswichtig gewesen ist, ist heutzutage oft eher hinderlich. Wenn ich mich zb über meinen Partner oder meine Partnerin aufrege, weil er oder sie schon wieder den Müll nicht runtergebracht hat, dann reagiert mein Körper mit dem Kampfmodus und ich werde zickig und mecker rum. Wird die Situation dadurch verbessert? Eher nicht. Bzw eher im Gegenteil.

Dasselbe gilt, wenn du dir Sorgen um dein ungeborenes Baby machst. Auch hier wird dein Körper dich dazu veranlassen irgendwie ins Handeln zu kommen. Vllt fängst du an zu googlen, was auch hier die Situation nicht unbedingt weniger stressig werden lässt. Sondern deine Sorge vermutlich eher noch schlimmer macht. Und das alles, weil dein Gehirn denkt, es muss dein Überleben sichern. Schließlich ist du gerade gestresst und Stress bedeutet fürs Gehirn immer nur eins: Überlebensgefahr.

Und dieser Bereich, der für den Kampf oder Fluchtmodus verantwortlich ist, ist der Hirnstamm, der in dem Bild von Fr. Dr. Easwaran der Keller ist. Ein Keller ohne Fenster, so dass man nicht nach draußen gucken kann. Deshalb ist man hier unten abhängig von den Informationen, die aus dem Erdgeschoss kommen.

Ein Krokodil

Und in diesem Keller wohnt ein Krokodil. Ein Krokodil im Kopf ist genauso wie ein echtes Krokodil. Es kann tagelang bewegungslos rumliegen, nichts tun und warten. Aber auch wenn es so aussieht, als wenn es schläft, schaltet das Krokodil nie ab sondern wartet leise und ohne sich zu bewegen auf Informationen aus dem Erdgeschoss. 

Und wenn Informationen über Gefahr in den Keller gelangen, reagiert das Krokodil blitzschnell und in Millisekunden und ist Kampf- oder Fluchtbereit! Dh das Krokodil symbolisiert unsere Stressreaktion. Und das kennst du vermutlich selbst nur zu gut: wenn dich irgendetwas triggert, egal ob ein bestimmter Spruch von deinem Partner oder deiner Partnerin oder wenn dein kleines Kind seinen Teller voller Erbsen nimmt, dich angrinst und auf den Boden schüttet, und der Tag eh schon scheiße war, dann reagierst du auf diese Situation in Millisekunden und ohne drüber nachzudenken. Vielleicht wirst du laut oder sauer. Vllt ziehst du dich aber auch zurück. Egal was du tust, hier war dein Krokodil am Werk, und zwar ohne Vorankündigung. Und ohne große Überlegungen.

Soviel erstmal zum Keller.

Das Erdgeschoss

Im Erdgeschoss, also dem Mittelhirn, leben drei Bewohner.

Die erste Bewohnerin ist die Amygdala. Amygdala ist Latein und bedeutet Mandelkern, weil der Bereich im Gehirn wie ein solcher aussieht. Und damit man sich die Amygdala besser merken kann, spricht Dr. Easwaran von Madame Amy. Ihre primäre Aufgabe ist es, unsere Angst- oder Stressreaktionen zu regulieren. Sie sorgt also dafür, ob und wie stark das Krokodil auf Dinge reagiert, in dem sie vorab mögliche Gefahren analysiert.

Madame Amy

Und Madame Amy kannst du dir gerne wie eine Dame vorstellen, die ständig am Fenster steht und nach potenziellen Gefahren Ausschau hält. Und alle äußeren Reize, mit denen wir konfrontiert sind, egal ob sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen, kommen bei ihr als erstes an. Also noch bevor irgendein anderer Bewohner etwas mitbekommt, hat sie alle eintrudelnden Reize schon begutachtet und bewertet. Immer mit der Hinterfrage im Kopf “bin ich noch in Sicherheit? Ist mein Überleben in Gefahr?”.

Dh was sie unter anderem macht, ist, Gefahren abzuspeichern und dann auch wiederzuerkennen. Und wenn sie auch nur davon ausgeht, dass eine Situation potenziell gefährlich sein könnte (wie zb das Ziehen im Bauch), alarmiert sie das Krokodil im Keller und das löst unsere Stressreaktion aus. Wenn du also zb das Ziehen im Bauch als ein schlechtes Zeichen und damit als Gefahr interpretierst oder deine Madame Amy das eben für dich tut, wirst du darauf auf deine persönliche Art reagieren Vielleicht wirst du hektisch, deine Gedanken kreisen sich ununterbrochen um dein Baby, dir wird warm, dein Herz rast und du fühlst dich emotional ängstlich.

Und das eben, weil deine Madame Amy deinem Krokodil gesagt hat, dass sie Gefahr erkannt hat. Der Punkt bei der lieben Madame Amy ist, dass sie zb wenn sie müde ist oder aber am Tag sowieso schon viele potenzielle oder echte Gefahren erkannt hat, häufiger als nötig auf den Alarmknopf drückt und das Krokodil im Akkord arbeiten lässt. Dh wenn du – bevor das Ziehen im Bauch aufgetreten ist, zum Beispiel erfahren hast, dass morgen der Kindergarten zu hat und du deine kompletten Pläne über Board werfen musst, dein Auto danach noch den Geist aufgegebene hat und eine Rechnung eintrudelt, die du total vergessen hast, dann wird Madame Amy mit großer Wahrscheinlichkeit auch das Ziehen im Bauch als etwas potenziell gefährliches einstufen.

Wenn sie hingegen entspannt ist, kann sie die eintrudelnden Informationen viel angemessener bewertet und schaltet viel weniger das Krokodil ein. Dh in dem Moment, wo das Ziehen im Bauch eintritt, geht sie nicht zwangsläufig von einer Gefahr aus, sondern ist sich bewusst, dass das auch ein wirklich tolles Zeichen sein kann, weil dein Baby im Bauch einfach mehr Platz braucht und dementsprechend deine Organe und Bänder sich der neuen Situation anpassen und verändern, wodurch es eben zu sogenannten Wachstumsschmerzen kommen kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt zu Madame Amy ist noch, dass sie nicht auf Sprache reagiert. Sie  lernt durch Assoziation und dadurch erinnert sie sich auch. Wenn du also zb in deiner Schwangerschaft schon mal Zwischenblutungen hattest und du sie auf der Toilette entdeckt hast, wirst du vermutlich jedes mal, wenn du wieder zur Toilette musst, kurz daran erinnert werden und sorgenvolle Gedanken haben. Ganz gleich ob du die Zwischenblutungen auf der Arbeit hattest und jetzt gerade aber im Urlaub bist und die Situation schon monatelang her ist.

Oder wenn du schon mal eine Fehlgeburt hattest und davon direkt nach einem Restaurantbesuch erfahren hast, wirst du vielleicht ängstliche Gedanken haben und dich unwohl fühlen, immer wenn du jetzt eine karierte Tischdecke siehst oder ein bestimmtes Gericht riechst und du weißt vielleicht nicht, wieso es dir dann plötzlich so geht. In solchen Momenten ist deine Madame Amy am Werk und möchte nur eins tun: dich schützen! 

So viel aber erstmal zur Madame Amy.

Seepferdchen

Der zweite Bewohner im Erdgeschoss ist der Hippocampus. Und keine Sorge, du darfst das Wort Hippocampus gerne wieder vergessen, denn ich nenne dir auch hierzu gleich wieder den Deutschen Begriff und Hippocampus bedeutet nichts anderes als Seepferdchen. Und auch hier leitet sich der Name wieder von der ähnlichen Form ab.

Dh im Erdgeschoss wohnt neben der Madame Amy ein Seepferdchen. Und dieses Seepferdchen ist für unser Gedächtnis zuständig. Es merkt sich alles – es weiß noch wie du dich bei deinem ersten Kuss gefühlt hast, wie das Shampoo damals im Urlaub gerochen hat und wie deine Lieblingskindergärtnerin hieß.

Auch wenn das Seepferdchen manchmal mit seinen Erinnerungen falsch liegt, können wir uns größtenteils doch ganz gut auf seine Aussagen verlassen. Wodrin es auf jeden Falle richtig gut ist, ist, sich Gefahrensituationen zu merken. Denn dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von unserem Überleben. Und das ist ja unter anderem die Kernaufgabe unseres kompletten Gehirns: unser Überleben zu sichern. Deshalb sind das Seepferdchen und Madame Amy ein so gutes und eingespieltes Team. Wenn Madame Amy sich nicht so ganz sicher ist, wie sie Reize bewerten soll, fragt sie das Seepferdchen nach den Erinnerungen und kann dadurch aktuelle Reize mit vergangenen abgleichen und akkurater in ihrer Aussage werden.

Dh das Erdgeschoss ist die Etage, in dem unsere Emotionen entstehen. Denn neben der körperlichen und der verhaltensbezogenen Stressreaktion ist Madame Amy auch für die emotionale Stressreaktion zuständig. Also für all unsere negativen Emotionen wie Angst, Furcht, Wut und Trauer zb.

Glücksfee

Und hier kommt die dritte Mitbewohnerin ins Spiel. Die als Glücksfee bezeichnet wird. Der Unterschied zu den anderen Bewohnern ist, dass sie kein anatomisches Organ repräsentiert, sondern für die ganzen positiven Emotionen steht und die Vorgänge und die Wirkung von den Hormonen verdeutlicht, die eben durch positive Emotionen ausgeschüttet werden.

Dh deine Glücksfee ist dafür verantwortlich, wenn du entspannt und glücklich bist, weil sie die richtigen Hormone dafür ausschüttet. Und diese Glücksfee darf bei den meisten von uns noch einen Tick mehr Arbeiten und dafür das Krokodil ablösen 😉 Und um das zu erreichen gibt es eben u.a. diesen Blog, aber auch den Kugelzeit Coaching Podcast, den Online Kurs “die schönste Wartezeit” oder meine anderen Coachings. Denn auch hier ist es wie bei allen Kompetenzen: das eigene Training ist das A und O.

Aber zurück zu unserem Haus.

Das Dachgeschoss

Wir haben jetzt über den Keller mit dem Krokodil gesprochen und über das Erdgeschoss mit Madame Amy, dem Seepferdchen und der Glücksfee und dann gibt es noch das Dachgeschoss.

Also der Bereich des Gehirns, der für das Großhirn, genauer gesagt den präfrontalen Cortex  steht. Und hier passiert alles, was mit logischem und bewussten Denken zu tun hat. Und hier wohnt deine Ingenieurin. Sie plant, koordiniert, denkt nach und findet in Ruhe Lösungen. Sie setzt Dinge einfach um, ohne sie zu bewerten oder emotional befangen zu sein. 

Ingenieurin

Das kann sie aber alles nur tun, wenn Madame Amy nicht gestresst ist und sich entspannt und gleichzeitig eben unsere Glücksfee aktiv ist.

Wenn wir nochmal das Beispiel der Fehlgeburt und dem Restaurant nehmen, dann weiß deine Ingenieurin, dass nur weil du eine karierte Tischdecke gesehen hast, trotzdem alles ok ist und du und dein Baby in Sicherheit seid. Warum sagt sie dann nichts zur Madame Amy? Das liegt leider daran, dass die beiden nur eine einseitige Kommunikation pflegen. Madame Amy kann der Ingenieurin Dinge mitteilen, andersherum aber leider nicht. Und auch wenn das erstmal alles andere als gut klingt: eigentlich ist es eine super Sache. Weil Madame Amy ja verantwortlich ist für eine schnelle Reaktion auf gefährliche Dinge.

Der Vorteil bei echten Gefahrensituationen

Wenn zb ein Bus eine rote Ampel überfährt und auf dich zugerast kommt, während du gerade gedankenversunken die Straße überquerst, übernimmt deine Madame Amy sofort das Kommando. Und du weichst dem Bus aus, ohne das Problem bewusst wahrzunehmen und erstmal über eine Lösung nachzudenken wie du in der Situation jetzt am besten reagierst. 

Was auch immer du in der Sekunde gedacht hast, mit was auch immer sich deine Ingenieurin also befasst hat, als der Bus auf dich zugeschossen ist, ist weg. Weil deine Madame Amy sie effektiv zum Schweigen gebracht hat. Bei einem außer Kontrolle geratenen Bus brauchst du keine Gedanken, sondern nur eins: schnelles Handeln.

In solchen Momenten haben wir keine Zeit für alle bewussten, absichtlichen Gedanken. Denn Gedanken sind mehr Worte als wir in der Situation brauchen. Worte, die unnötig Zeit kosten. Bei 

Notfälle agiert die Ingenieuren einfach zu langsam. Und um Madame Amy nicht in ihrer Arbeit zu stören, gibt es eben nur diese Einbahnstraße an Kommunikation.

Und genau das ist der Grund, warum du dich bei Sorgen nicht beruhigen kannst, indem du dir einfach sagst, dass die Sorgen irrational sind, die du gerade hast. Deine Madame Amy hört dann nämlich einfach nicht zu, sie hat schlicht und einfach keine Zeit für das ganze Gejammere deiner Ingenieurin. Sie ist zu sehr damit beschäftigt, nach Anzeichen von Problemen Ausschau zu halten und darauf zu reagieren, indem sie versucht, dich auf die einzige Weise zu schützen, die sie kennt – indem sie dich unter Stress setzt, damit du ins Handeln kommst. 

Und es gibt noch ein kleines Problem: selbst wenn deine Madame Amy deine Ingenieurin hören würde, sie würde sie einfach nicht verstehen, weil sie eine andere Sprache spricht bzw. eigentlich mit keiner Sprache etwas anfangen kann.

Wie ist Veränderungen möglich, um weniger Sorgen zu haben?

Da stellst sich jetzt natürlich die Frage: Wie kriegst du es denn dann hin, dass deine Madame Amy nicht ständig neue Arbeitsaufträge ans Krokodil schickt, wenn du akut eben nicht in Gefahr bist, sondern dir beispielsweise “nur” Sorgen um deine Zukunft machst

Deine Madame Amy lernt, Reize neu oder anders zu bewerten, wenn du sie in dem Moment der Bewertung dabei ertappst und sie zur Seite nimmst und gemeinsam mit ihr den Raum zwischen Reiz und Reaktion etwas vergrößerst. Denn nur wenn Madame Amy aktiv ist, hat sie die Möglichkeit zu lernen und die Bewertungen zu verändern, die sonst automatisch kommen.

Dh anstatt deine Sorgen und Ängste nicht haben und schnell wieder loswerden zu wollen, solltest du sie dir genau anschauen und hinterfragen. Das ist natürlich nicht ganz einfach, aber du kannst all deine Bewohner im Haus trainieren, damit sie anders auf Dinge reagieren bzw. Vor allem deine Madame Amy Reize anders bewertet und nicht immer überall Rot sieht und dein Krokodil in Alarmbereitschaft versetzt.

Startpunkt deiner Mindset Arbeit für weniger Sorgen und Ängste

Und genau hier fängt deine Mindsetarbeit an. An deinen eigenen Bewertungen und Interpretationen zu arbeiten, ist definitiv nicht immer einfach und es braucht Zeit und Geduld, weil es einfach eine Kompetenz ist, die du erstmal entwickeln musst. Es gibt halt leider keine Tablette, die du einfach einnimmst und 20 Minuten später hast du weniger Sorgen und Ängste.

ABER auch, wenn der Weg nicht leicht ist, er lohnt sich auf jeden fall. Nicht nur für deine Schwangerschaft sondern für dein restliches Leben. 

Und das tolle ist, du hast jederzeit die Möglichkeit dich bewusst für dein Training zu entscheiden, um glücklicher und gelassener zu werden und eine entspannte Schwangerschaft zu haben und dann eben auch eine entspannte Mama zu werden. Denn deine Sorgen hören ja nicht einfach auf, nur weil dein Baby dann auf der Welt ist und du nicht mehr komplett alleine Verantwortlich bist. Sie verändern sich einfach und neue Sorgen lösen die schwangerschaftsspezifischen Sorgen und Ängste einfach ab.

Außer, du tust eben was dagegen. Und auch hier ist es doch eine super Nachricht, dass du eben selbst entscheiden kannst, welchen Weg du gehen möchtest.

Möchtest du den Weg gehen, der am Anfang leicht ist, der aber später schwieriger wird. Du also heute deinen Sorgen und Ängsten möglichst lange aus dem Weg gehst, damit es dir jetzt gut geht, bis sie dann doch wieder um die Ecke kommen.

Oder entscheidest du dich für den Weg, der am Anfang hart ist und dann aber immer leichter wird? Entscheidest du dich also bewusst dafür, an deinem Mindset zu arbeiten, deine stressigen Situation und deine Sorgen und Ängste anzunehmen, anzuschauen, zu analysieren und an ihnen zu wachsen, damit du in naher Zukunft nicht mehr so viele von ihnen hast bzw. Adäquater und effizienter mit ihnen umgehen zu können?

Dein Verantwortungsbereich

All das liegt tatsächlich nur in deiner Hand. Alles was du für die Umsetzung brauchst, sind die richtigen Methoden und deine Zeit. Die Methoden gebe ich dir gerne an die Hand – aktuell, wegen meiner eigenen Schwangerschaft – vorrangig über den Online Kurs “die schönste Wartezeit”, aber dann in 2022 auch sehr sehr gerne wieder in Einzel- und Gruppencoachings.

Wenn du dich für den Online Kurs interessiert, schau gerne hier vorbei oder schreibt mir gerne eine Mail oder eine PN bei Insta, wenn du noch Fragen haben solltest.

Du wirst schnell merken, wie viel sich bei dir positiv verändern wird, wenn du die Verantwortung für deine Schwangerschaft selbst in die Hand nimmst 🙂

Anfangen kannst du zb, in dem du dich nach stressigen Situationen fragst, wieso dein Krokodil gerade von deiner Madame Amy zum Kampf oder zur Flucht veranlasst wurde. Welche Gedanken haben deine Reaktion hervorgerufen? Je klarer du dir darüber wirst, desto schneller kannst du neue Wege finden, um anders zu reagieren. Aber auch hier gilt: sei nicht zu hart zu dir. Wenn 

In diesem Sinne: auf ein schönes Bauchgefühl.
Ich glaub an dich und du solltest es auch tun!
Deine Jill

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Für mehr inspirierende Methoden und hilfreiche Unterstützung höre gerne in den Kugelzeit Coaching Podcast rein. Du findest ihn bei Spotify, iTunes oder deiner Lieblings-Podcasts-App kostenlos und jederzeit!

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Falls du Online Kurse magst, schau gerne mal bei meinem Kurs „die schönste Wartezeit“ vorbei. Er dient dir als Ort, an dem du flexible und zu jeder Zeit, und trotzdem nicht alleine an deinem Mindset arbeitest, um deine Sorgen und Ängste zu verstehen und sie zu lösen.

Alle Infos zu meinen Einzel- und Gruppencoachings mit Schwangeren findest du hier.

Was ehemalige Coachees über die Arbeit mit mir sagen, könnte für dich auch von Interesse sein.

Meine Vision? Das JEDE Schwangere, Stress, und ihre Sorgen und Ängste in ihrer Kugelzeit in den Griff bekommt!

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